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Tatü, tata - Der Bush ist da.

Da. Eine Gegendemonstration. Gegen was? Gegen George W. Bush. Nicht gegen seine Politik und nicht für Menschenrechte. Sondern gegen diesen einen Mann. Die Vereinigten Staaten können froh sein, dass sich die gesamte Wut gegen Bush richtet, er Prell- und Sündenbock zugleich ist.

Niemand denkt ernsthaft an seine Berater. Oder an Condoleezza Rice, die jetzige Außenministerin mit dem unschreibbaren Namen. Oder an Paul Wolfowitz, einem politischen Hardliner. Früher war er enger Vertrauter Bushs, stellvertretender Außenminister. Heute hat Bush ihn mit aller Gewalt zum Präsidenten der Weltbank gemacht.

Wolfowitz, Rice und Rumsfeld sind die Exekutiven von neokonservativen Think Tanks, Denkfabriken, deren einziges Ziel und deren einziger Zweck es ist die Vereinigten Staaten politisch in ihrer Stellung als Weltmacht zu halten und zu festigen.

Doch wer glaubt, dass solche Beratungskonstrukte in unserem geliebten Europa nicht möglich wären irrt. Viel zu deutlich sind die Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft (ja, und auch zwischen Politik und Gewerkschaften, wobei letztere ihren Einfluss immer mehr verlieren zu scheinen – Anm. d. Autors, 22. Juni, 13.00 Uhr), und viel zu fest.

Auch Europa wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten fragen müssen zu was es bereit ist um Wohlstand und Konsumgesellschaft zu erhalten. Und Europa wird auch auf den Gedanken kommen sich Ölvorräte durch Kriege zu erschließen.

Ob dieser Gedanke dann in die Tat umgesetzt wird ist allerdings fraglich, hängt über der gesamten Entwicklung sowieso das Damoklesschwert Chinas. China könnte sich an dem raschen Wachstum verschlucken, könnte kollabieren.

Doch wir sind Abhängig von diesem Land, das Menschen unterdrückt und Umweltschützer zusammenschlägt. Abhängig, weil die Menschen dort unter fast unmenschlichen Bedingungen Konsumgüter herstellen, die dann exportiert werden und hier billig gekauft werden können.

Die Nachfrage von China und anderen aufstrebenden Volkswirtschaften wird wachsen und ihr Energiehunger wird zunehmen und für die Länder, die jetzt im Wohlstand leben wird es Zeit sich etwas vom Kuchen abzuschneiden.

Darunter leiden werden die afrikanischen Länder, die der Macht der EU und Amerikas nicht standhalten werden können und zu Bällen in der Weltmachtjonglage werden. Jedes Land, das auch nur einen Tropfen Öl hat wird diesen hergeben müssen. Eventuell umsonst.

Es ist nicht die Politik George W. Bushs, die uns Angst machen sollte, es ist der Umgang zwischen Staaten, es ist die Ungleichverteilung der Wirtschaftsgüter, Milliardeneinfuhren aus China bei gleichzeitig minimalen Ausfuhren. Das Wirtschaftssystem wird, wenn es bleibt wie es ist, kollabieren. Schneller als mancher denkt und mit ihm Wohlstands- und Konsumgesellschaft und an forderster Front der Wohlfahrtsstaat.

Da helfen sicher auch keine Demos gegen Bush, keine Demo von instrumentalisierten Pubertierenden. Das Verbrennen von Flaggen und das Aufknüpfen von Bushpuppen von sogenannten Friedensaktivisten ist abscheulich. Dies bedient Klischees, die besser nicht bedient sein könnten. Es macht keinen Sinn Gewalt mit Gegengewalt abzustrafen. Im Gegenteil. Auch diese Gegengewalt wird Gewalt beschwören und zu neuer Gewalt führen. Dies gilt auch für symbolische Gewalt.

Es geht jetzt darum, wie wir zusammenarbeiten, um wichtige Ziele zu erreichen. Und eines solcher Ziele ist eine Demokratie in Deutschland. George W. Bush im Mai 2006

(Und: Ja, ich weiß, dass ich für diese Meinung wieder Prügel einstecken muss. Aber ich kann damit leben.)

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