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Das TV-Duell 2009

Wie schon vor 4 Jahren hier meine kurze Einschätzung zum TV-Duell: Wie bereits beim letzten Mal gab es wieder viel zu viele Moderatoren. Ich finde es ein Fehler von den Parteien nicht mehr direkte Duelle zuzulassen und daher dieses Format zu provozieren. Auch das relativ starre Frage- & Antwortformat ergab sich aus diesem Umstand, ich bin sicher, dass die Moderatoren auch ein ausgeglichenes Redekonto hatten. Was beim TV-Duell unterging waren die wirklichen Kontroversen1, und als Steinmeier Merkel mit ihren Steuerplänen gerade aus der Reserve locken wollte wechselte der sonst von mir geschätzte Frank Plasberg das Thema (zu Gesundheit). Das war sehr unglücklich, hätte das doch eine spannende Diskussion ergeben können. Überhaupt hat das Format Merkel mehr gestützt und Steinmeier eher verkürzt. Deshalb kam es bei ihm auch öfters vor, dass er in der nächsten Frage noch einmal auf die vorhergehende eingehen musste. Insgesamt war das Duell sehr ausgeglichen neutral, Steinmeier konnte sich genau so wenig profilieren wie Merkel. Man muss sich fragen, was überhaupt Ziel dieses TV-Duells ist. Einmal in vier Jahren erreicht Politik eine Publizität, die sie sonst nie auf einmal hat. 2005 waren es 21 Millionen Menschen vor den Fernsehern, dieses Jahr nur noch 14 Millionen. Und Merkel und Steinmeier haben den meisten Zuschauern wahrscheinlich nicht mehr Appetit auf Politik gemacht sondern weniger. Steinmeier hat damit seine letzte Möglichkeit verspielt erneut Vizekanzler zu werden, es winkt die Opposition zusammen mit Linken und Grünen. Und die Linken sind das eigentliche Problem der SPD, deren Wählerschaft sich in Realos2 (die die SPD wählen) und Fundis (die die Linken wählen) gespalten hat und die ohne Linke (bzw. deren Wähler) es schwer haben wird in Zukunft eine Regierung zu stellen. Unter diesen Umständen ist ein TV-Duell alles andere als spannend oder sehenswert, ob sich in 4 Jahren ein Duell überhaupt noch rechtfertigen lässt ist natürlich fraglich und hängt vom Wahlergebnis ab. Von den drei Charakterköpfen Westerwelle/Lafontaine/Trittin heute Abend im Ersten erwarte ich mir jedenfalls die heftigere und lebendigere Diskussion, allerdings auch nur vor einem Bruchteil des Publikums. Politik, das wiederhole ich gerne noch einmal, muss begeistern, wenn es die Bühne dafür hat. An dieser Aufgabe sind Kanzlerin und Vizekanzler gescheitert, wie traurig.

1 Ja, wir haben gestern im Fernsehen gehört, dass heute keine Zeit mehr ist für kontroverse Diskussionen und das man heute nicht mehr so emotional diskutieren könne. Bullshit ist das, mit wem soll man sich denn identifizieren, wenn keiner mehr eine Haltung hat?

2 Ja, ich klaue die Begrifflichkeit einfach mal von den Grünen.

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